Interview mit den Gründerinnen von kindr.

Wie kamt ihr auf den Namen kindr. und welche Bedeutung steckt dahinter?
Johanna:
Der Name „kindr.“ verbindet das deutsche Wort „Kinder“ mit dem englischen Begriff „kinder“ im Sinne von freundlicher und gütiger. Dahinter steht die Idee, dass strukturelle Veränderungen im Familienalltag nicht über Aufrechnung und Schuldzuweisung gelingen, sondern über transparente Aushandlung, Fairness und gegenseitige Wertschätzung. kindr. versteht sich daher nicht nur als digitales Tool, sondern als Modell zur Förderung partnerschaftlicher Verantwortung und fairer Care-Verteilung – als Grundlage für stabile Erwerbsteilhabe und mentale Gesundheit.
Wie kam es zur Entwicklung von kindr.?
Susanne:
kindr. ist aus der Beobachtung entstanden, dass die frühe Familienphase eine hochsensible Übergangszeit ist – nicht nur persönlich, sondern auch gesellschaftlich. In diesen Jahren werden Weichen gestellt: für die psychische Gesundheit von Eltern, für partnerschaftliche Dynamiken, für die Verteilung von Care-Arbeit – und nicht zuletzt für Erwerbsbiografien.
Wir haben gesehen, dass es bislang kaum niedrigschwellige, alltagsintegrierte Instrumente gibt, die Eltern strukturell dabei unterstützen, Belastung frühzeitig zu reflektieren und partnerschaftlich zu organisieren. Genau hier setzt kindr. an: als präventives, digitales Unterstützungsmodell.
Johanna:
Ich glaube, dass man dieser sehr besonderen Zeit der frühen Familienphase mit viel Gelassenheit, Offenheit und Toleranz begegnen muss, sich mit anderen Eltern auszutauschen und sich viel Unterstützung einholen sollte, da man erstmal lernen muss, überhaupt eine Familie zu werden. Das heisst immer auch, seine Grenzen kennenzulernen, zu lernen was man sich zumuten kann, was man braucht, um zufrieden zu bleiben und was man auch bereit ist, zu zurückzustellen. Mit kindr möchten wir genau diese Unterstützung bieten und Eltern die Tools an die Hand geben, um diese herausfordernde, aber auch unglaublich bereichernde Zeit besser zu meistern.
Viele Eltern fühlen sich im Familienalltag überfordert. Wie kann kindr eurem Verständnis nach hier anders ansetzen?
Susanne:
Unsere App ist darauf ausgelegt, Struktur in den Alltag zu bringen und den Mental Load, der oft besonders auf den Schultern der Mütter lastet, gerechter zu verteilen. kindr bietet praktische Tools und Ressourcen, die nicht nur die Organisation des Familienlebens verbessern, sondern auch dabei helfen, die Beziehung zu sich selbst und dem Partner/der Partnerin zu pflegen. Das ist essentiell, denn eine der wichtigsten Dinge, die Eltern für ihre Kinder tun können, ist letzten Endes, liebevoll zu sich selbst und ihrem Partner zu sein. Denn nur dann haben sie auch die Kraft, die sie für die Kinder brauchen.
Viele Eltern erleben die erste Zeit mit Kind als belastend. Worin liegt aus eurer Sicht das strukturelle Problem?
Johanna:
Mit der Geburt eines Kindes verändert sich nicht nur der Alltag, sondern die gesamte Rollen- und Verantwortungsstruktur einer Familie. Erwerbsarbeit, Care-Arbeit, Partnerschaft und Selbstfürsorge müssen neu austariert werden – häufig unter Zeitdruck und mit hohen gesellschaftlichen Erwartungen.
Dabei entsteht ein erheblicher Mental Load, der oft ungleich verteilt ist. Diese Ungleichverteilung wirkt sich nicht nur auf die Beziehung, sondern auch auf Erwerbsverläufe aus – insbesondere bei Müttern. Viele reduzieren ihre Arbeitszeit langfristig, obwohl sie es ursprünglich nicht geplant hatten. Wir verstehen diese Phase daher nicht nur als private Herausforderung, sondern als arbeitsmarktpolitisch relevante Übergangsphase.
Wie unterscheidet sich kindr. von klassischen Eltern-Apps?
Susanne:
kindr. ist kein Organisations-Tool im engeren Sinne. Es ist ein strukturiertes, präventives Modell zur Unterstützung von Fairness, Kommunikation und mentaler Entlastung im Familienalltag.
Wir verbinden Elemente aus Paar- und Familientherapie mit Methoden der strukturierten Alltagsplanung. Dadurch wird nicht nur sichtbar, wer welche Aufgaben übernimmt, sondern auch, wie Zeit, Energie und Verantwortung verteilt sind.
Besonders wichtig ist uns, dass kindr. anschlussfähig an bestehende Unterstützungsstrukturen ist – etwa an Erziehungs- und Familienberatungsstellen oder Angebote der Frühen Hilfen. Es ergänzt analoge Beratung, ersetzt sie aber nicht.
Johanna:
kindr. ist kein Organisations-Tool im engeren Sinne. Es ist ein strukturiertes, präventives Modell zur Unterstützung von Fairness, Kommunikation und mentaler Entlastung im Familienalltag.
Wir verbinden Elemente aus Paar- und Familientherapie mit Methoden der strukturierten Alltagsplanung. Dadurch wird nicht nur sichtbar, wer welche Aufgaben übernimmt, sondern auch, wie Zeit, Energie und Verantwortung verteilt sind. Besonders wichtig ist uns, dass kindr. anschlussfähig an bestehende Unterstützungsstrukturen ist – etwa an Erziehungs- und Familienberatungsstellen oder Angebote der Frühen Hilfen. Es ergänzt analoge Beratung, ersetzt sie aber nicht.
Welche gesellschaftliche Relevanz hat das Thema aus eurer Sicht?
Welche Rolle spielen Väter in eurem Ansatz?
Susanne:
Ein zentraler Aspekt ist die gleichberechtigte Einbindung beider Elternteile. Auch Väter stehen unter erheblichem Erwartungsdruck – sowohl finanziell als auch emotional.
Wir möchten weg von Schuldzuweisungen und hin zu strukturierten, wertschätzenden Aushandlungsprozessen. Dabei berücksichtigen wir sowohl Mental Load als auch Financial Load. Equal Care gelingt nur, wenn beide Perspektiven sichtbar werden.
Wie sieht eure Vision für kindr. aus?
Johanna:
Unsere Vision ist es, kindr. als sozialinnovatives Modell in bestehende Beratungs- und Unterstützungsstrukturen zu integrieren – insbesondere in Kooperation mit Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege und kommunalen Trägern. Langfristig geht es darum, digitale Instrumente nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung sozialer Infrastruktur zu verstehen – mit dem Ziel, Familien frühzeitig zu stärken und damit auch gesellschaftliche Folgekosten zu reduzieren. Wir verstehen kindr. als Baustein einer modernen, präventiven Familien- und Arbeitsmarktpolitik.